Warum? Warum? Warum ist doch egal

Den ersten richtigen Blogeintrag mit einem Songtext von Juli überschreiben? Das war sicher nicht mein Plan. Aber es hat einfach zu gut gepasst! Und darum lege ich ganz ungeniert los.

Zwischen Köln und Innsbruck liegen in etwa 700 Kilometer. Ich könnte das jetzt ganz leicht nachschauen, weil die Mobilfunkanbieter ja mittlerweile in allen Bereichen Europas einwandfreies Internet auf dem Handy garantieren. Aber ich verlasse mich nun einfach mal auf meine Intuition. Das habe ich auch getan, als ich vor einigen Monaten ein Interrail-Ticket gebucht habe. Vier Wochen Europa von Mitte Juli bis Mitte August. Inmitten der sommerlichen Reise-Hochperiode. So richtig nachgedacht habe ich eigentlich nicht bei der Buchung, oder besser gesagt: Nachgedacht habe ich viel, aber irgendwie ziellos, das Wort Interrail geisterte bereits einige Jahre durch meinen Kopf und irgendwie war es Zeit, jenes stets abstrakte Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Aber warum eigentlich? Was treibt einen Menschen, der erst wenige Monate zuvor geheiratet hat, dazu an, ganz alleine einen Monat lang mit dem Zug durch Europa zu reisen? Antworten darauf präsentiert habe ich einige. Meine liebste: ¨Bis zum Alter von 27 Jahren gilt man hinsichtlich der Ticket-Vergünstigungen noch als Jugendlicher. Die wohl letzte Sache der Welt, bei der ich mich noch offiziell als jugendlich betiteln darf. Also musste ich es ja quasi machen.¨ Das soll lustig sein, weswegen ich es bislang jedem Menschen, der danach gefragt hat, schon auf die Nase gebunden habe, sodass mir der Spruch schon jetzt auf die Nase geht. Er sieht mir ähnlich und ein wenig Wahrheit ist auch an ihm dran, doch letztendlich kann das nicht die ganze Erklärung sein.
Es gibt noch andere naheliegende Antworten, die alle irgendwie ein wenig wahr sind:

  • Ich habe von Juli bis November, also bis zum Start meines Referendariats sowieso nichts zu tun, also irgendwas musste ich ja machen.
  • Ich bin zwar nicht schüchtern, verstecke mich auf Reisen aber ganz gerne mal hinter meiner geselligen Frau und will mir selbst beweisen, dass ich auch so offen sein kann.
  • Alleine sind Kompromisse unnötig. Ich kann so viele Stadien, Arenen und Sportevents besuchen, wie ich möchte, ohne jemanden zu vernachlässigen.
  • Ich habe das Zugfahren schon als kleiner Junge geliebt. Fand sogar Modelleisenbahnen richtig stark (ein Glück, dass aus mir kein zweiter Mr. Cooper geworden ist)
  • Ich habe noch viel zu wenig von Europa gesehen. Da bot sich die perfekte Gelegenheit.

Dass die Reise an sich Sinn macht, ist mir schon klar. Ich frage mich eher, warum ich all das alleine machen, geistern mir doch schon auf meinen ersten sieben Stunden Zugfahrt, die ich von Köln Richtung Innsbruck starte, derartige Gedanken durch den Kopf. Frau, Freunde, Katze – so viel Lebenswert abgeben, um alleine zu reisen. Ich suche ja gar nicht nach mir selbst, weil ich mich meines Erachtens schon längst gefunden habe. Also warum haue ich einfach ab?

Diese Frage stellt sich doch unweigerlich, wenn ich zum ersten Mal derart lange alleine reise und mein nächster Halt nicht der Bierkönig oder der Goldstrand ist. Beantworten kann ich diese Frage nicht hinreichend. Gerade nicht, wo ich doch erst seit einigen Stunden im Zug sitze. Aber vielleicht bestreite ich diese Reise ja gerade deswegen, um zu erfahren, warum ich sie denn bestreite. Es muss nicht immer alles von vornherein klar sein und am Ende derartiger Reisen muss auch nicht immer die komplette Selbstfindung stehen. So abgedroschen die scheinbar uralte Floskel von Weg und Ziel doch scheint, so ist sie hier angebracht. Auf ins gewiss Ungewisse.

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